Eine Erfin­dung aus Deutsch­land bewegt die Welt: Das Fahr­rad fei­ert 200. Geburts­tag

 Baden-Würt­tem­berg, im Juni 2017. Seit 200 Jah­ren ermög­licht das Zwei­rad umwelt­freund­li­che Mobi­li­tät. Die Geschichte die­ser revo­lu­tio­nären Erfin­dung aus Deutsch­land begann am 12. Juni 1817 in der Stadt Mann­heim im Bun­des­land Baden-Würt­tem­berg. Heute ist das Fahr­rad eines der meist­ge­nutz­ten Ver­kehrs­mit­tel der Welt. Zum 200. Jah­res­tag der Jung­fern­fahrt blickt ganz Deutsch­land zurück auf den Ursprung der indi­vi­du­el­len Mobi­li­tät und nach Mann­heim – an den Ort, wo alles begann. Daher wird das Fahr­rad-Jubi­läum 2017 beson­ders in Baden-Würt­tem­berg mit vie­len Aktio­nen und Ver­an­stal­tun­gen gefei­ert.

 Baden-Würt­tem­berg ist das Land der Tüft­ler und Den­ker. Hier wurde nicht nur im Jahr 1817 das Fahr­rad, son­dern 1886 auch das Auto erfun­den. Knapp 200 Jahre nach der Erfin­dung des Fahr­rads und nach Deka­den einer auto­fi­xier­ten Ver­kehrs­po­li­tik arbei­tet das Land Baden-Würt­tem­berg erneut an der Erfin­dung der Mobi­li­tät von mor­gen. Win­fried Her­mann, Minis­ter für Ver­kehr und selbst pas­sio­nier­ter Rad­fah­rer, gibt die Rich­tung vor: „Um den Her­aus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts zu begeg­nen, hat sich die Lan­des­re­gie­rung das Ziel gesetzt, das Land zu einem Weg­be­rei­ter für nach­hal­tige Mobi­li­tät zu machen. Das Fahr­rad spielt dabei eine Schlüs­sel­rolle., vor allem beim Nah­ver­kehr.“

 Karl Drais gelang 1817 der Durch­bruch: Er baute für sein Lauf­rad zwei Räder hin­ter­ein­an­der und legte damit den Grund­stein für das heu­tige Fahr­rad! Am 12. Juni fuhr er mit sei­ner Lauf­ma­schine zum ers­ten Mal durch Mann­heim. Die Erfin­dung aus dem Süd­wes­ten Deutsch­lands wirkte welt­weit wie ein Urknall für die indi­vi­du­elle Mobi­li­tät und revo­lu­tio­nierte die Fort­be­we­gung nach­hal­tig. Grund genug für das Bun­des­land Baden-Würt­tem­berg, die Erfin­dung in 2017 zu fei­ern.

  In die­sem Jubi­lä­ums­jahr schenkt die Lan­des­re­gie­rung gemein­sam mit zahl­rei­chen Part­nern dem Fahr­rad beson­dere Auf­merk­sam­keit mit diver­sen Ver­an­stal­tun­gen, Aktio­nen, Aus­s­tel­lun­gen, Wett­be­wer­ben und Pub­li­ka­tio­nen. Denn: „Das Fahr­rad bedeu­tet weni­ger schäd­li­che Abgase, mehr Lebens­qua­li­tät in den Städ­ten und Gemein­den, mehr Gesund­heit durch aktive Bewe­gung, bes­se­rer Kli­ma­schutz, hohe wirt­schaft­li­che Poten­ziale durch eine hoch­in­no­va­tive Wachs­tums­bran­che und letzt­end­lich mehr Mobi­li­tät für alle“, betont Minis­ter Her­mann.

 Die Bedeu­tung des Fahr­rads für Baden-Würt­tem­berg, Deutsch­land und die Welt

Seit der Erfin­­dung des Zwei­rads im Jahre 1817 hat das Fahr­rad als For­t­­be­we­­gungs­­­mit­tel eine rasante Ent­wick­­lung hin­­ter sich gebracht. Nach Jah­ren des Nie­der­gangs in den 60.er bis 70er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts ist Rad­fah­ren zuneh­mend wie­der im Trend. Es ist Sym­bol für Gesund­heit­ und Fit­ness.  Ele­­gante Desi­gnlö­­sun­­gen machen man­che Räder gar zum neuen Sta­tus­sym­bol.

Der Trend zu mehr Rad­ver­kehr fin­det bereits seit eini­gen Jahr­zehn­ten statt und hat zu einem Bewusst­seins­wan­del in der Ver­kehrs­po­li­tik geführt. Heute inves­tiert das Land Baden-Würt­tem­berg über 40 Mio. Euro pro Jahr in den Rad­ver­kehr. Als kon­zep­tio­nelle und stra­te­gi­sche Grund­lage hat die Lan­des­re­gie­rung 2016 die RadSTRATEGIE ver­ab­schie­det. Darin sind 60 Ein­zel­ziele und über 200 kon­krete Maß­nah­men bis 2025 ent­hal­ten. Den Rad­ver­kehrs­an­teil möchte die Lan­des­re­gie­rung von lan­des­weit etwa acht Pro­zent bis 2020 ver­dop­peln. Bun­des­weit wer­den etwa zehn Pro­zent der zurück­ge­leg­ten Wege gera­delt, rund 73 Mil­­lio­­nen Fahr­rä­­der sind in Deutsch­­land schon unter­­wegs. Deutsch­lands Fahr­rad-Vor­zei­ge­städte sind Müns­ter und Frei­burg, dort liegt der Rad­ver­kehrs­an­teil zwi­schen 30 und 40 Pro­zent. Wel­t­weit gel­ten Gro­­nin­­gen, Utrecht und Ams­ter­dam in den Nie­­der­lan­­den, das däni­­sche Kopen­ha­­gen, San­d­­nes in Nor­we­­gen sowie auch Bozen und Fer­rara in Ita­­lien als vor­­­bild­­li­che Fahr­ra­d­­städte. Ganz vorne liegt Kopen­ha­gen mit einem Rad­we­­ge­­netz von 454 Kilo­­me­tern. Über 50 Pro­­zent der Pen­d­le­rin­­nen und Pen­d­ler nut­­zen für ihre Wege zu Arbeit oder Aus­­bil­­dung das Fahr­rad – jeden Tag. 

Der stei­gende Rad­ver­kehr hin­ter­lässt auch in ande­ren Berei­chen posi­tive Spu­ren: Allein in Baden-Würt­tem­berg wer­den im Rad­tou­ris­mus über eine Mil­li­arde Euro jähr­lich umge­setzt, bei 14 Mil­lio­nen Tages­aus­flüg­lern und 3,2 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen. Die Fahr­ra­d­­wir­t­­schaft ist auch eine hoch­in­no­va­tive Wachs­­tums­­bran­che, und Fahr­ra­d­­för­­de­rung bedeu­tet
Wirt­schafts- und Stan­d­or­t­­för­­de­rung. Baden-Wür­t­tem­­berg ver­­­fügt über ein star­kes Wir­t­­schaft­sclus­ter zum Rad­­ver­­kehr mit wich­ti­­gen Her­s­tel­­lern von Rädern, Kom­­po­­nen­ten und Zube­hör, Beklei­­dung und Dienst­leis­tun­­gen. Es umfasst kleine Fahr­radein­­zel­hän­d­­ler, spe­­zia­­li­­sierte Mit­tel­­stän­d­­ler (hid­­den cham­pi­­ons) und inter­na­tio­nal agie­rende Unter­­neh­­men. Jähr­­lich wer­­den in Baden-Wür­t­tem­­berg rund 730 Mil­­lio­­nen Euro durch den Fahr­ra­d­han­­del (ein­schließ­­lich Zube­hör) und 360 Mil­­lio­­nen Euro durch Fahr­ra­d­her­s­tel­­lung (eben­falls ein­schließ­­lich Zube­hör) erwir­t­­schaf­tet. Das sichert rund 32.000 Arbeitsplätze in über 800 Unter­neh­men. Zahl­rei­che der ins­ge­samt über 100 Her­stel­ler von Fahr­rä­dern, Kom­po­nen­ten und Zube­hör in Baden-Würt­tem­berg sind Welt­markt­füh­rer und wich­tige Inno­va­to­ren.

 Die Geschichte des Fahr­rads – wie alles begann

1816 war das Jahr ohne Som­­mer. Grund: der Aus­­bruch des Vul­­kans Tam­­bora im heu­ti­­gen Indo­­ne­­sien. Die­­ser hatte fatale Fol­­gen für das Klima in Europa und brachte nie­d­­rige Tem­­pe­ra­tu­ren, Hagel­­schlag, Dau­er­re­­gen und Über­schwem­­mun­­gen. Mis­­sern­ten, Hun­­ger­s­­nöte und extreme Teu­e­run­­gen von Lebens­­mit­teln fol­g­ten, die Fut­ter­­mit­tel­knapp­heit führte zu einem mas­­sen­haf­ten Pfer­­des­ter­­ben. Aus die­­ser Not her­aus erfand der Deut­sche Karl Drais (1785-1851) im Jahr 1817 die „Drai­­sine“, auch Lauf­­ma­­schine genannt und Ur-Form des heu­ti­gen Fahr­rads. Diese Ur-Form hatte keine Pedale, ähn­­lich dem Lauf­rad für Kin­­der, der Antrieb erfolgte mit den Bei­­nen, ein beque­­mer Sat­tel und eine beweg­­li­che Lenk­­stange sor­g­ten für die Balance.  

 Sta­tus­sym­bol und Pub­li­kums­lieb­ling

Mit der Erfin­dung der Tret­kur­bel in den 1860er Jah­ren ent­wi­ckelte sich die Lauf­ma­schine  rasant wei­ter: 1870 wurde das Hochrad mit sei­nem auf­fal­lend großen Vor­der­rad und stol­zen Preis zum Sta­tus­sym­bol der wohl­ha­ben­den Bevöl­ke­rung. Die Steue­rung des Hochrads erfor­derte eini­ges an Geschick und Sport­lich­keit, es war auch gefähr­lich und wenig all­tags­taug­lich.  

 Der Durch­bruch gelang dem Fahr­rad mit der Rück­kehr zum Nie­der­rad („Sicher­heits­rad“). Zwei gleich­große Räder – wie wir sie heute ken­nen – sorg­ten für mehr Sta­bi­li­tät und der Antrieb über eine Kette erleich­terte die Fort­be­we­gung. Wenig spä­ter machte die indus­tri­elle Fer­ti­gung das Fahr­rad zum All­tags­ge­gen­stand und die Zahl der Rad­ver­eine in Deutsch­land stieg ste­tig. Noch vor Ende des 19. Jahr­hun­derts wurde der Rad­sport olym­pi­sche Dis­zi­plin. In der ers­ten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts wurde es zum Mas­sen­trans­port­mit­tel, bis es ab den 50er und 60er Jah­ren zuneh­mend vom Auto ver­drängt wurde.

 Die Bedeu­tung des Fahr­rads wuchs erneut, als sich ab den 1980er-Jah­ren das öko­lo­gi­sche Bewusst­sein ver­än­derte. Zunächst waren es wenige Pio­nier­städte, die die Ver­kehrs­be­din­gun­gen ver­bes­ser­ten, um dem stei­gen­den Anteil an Rad­fah­rern im Stra­ßen­ver­kehr gerecht zu wer­den. Der Aus­bau von Rad­we­gen und Fahr­rad­park­plät­zen ermög­licht in vie­len Orten und Städ­ten eine neue Rad­kul­tur und mehr Lebens­qua­li­tät.  

  Bild­ma­te­rial: Abdruck hono­rar­frei unter Angabe der Bild­quelle

Lauf­ma­schine
Lauf­ma­schine bzw. Drai­sine nach Karl von Drais, um 1820 (Nach­bau) 

Bild­quelle: Tech­no­seum („‚2 Räder – 200 Jahre", Aus­s­tel­­lung des TECHNOSEUM in Mann­heim)

Run­ning machine a.k.a. drai­sine by Karl von Drais, circa 1820 (rep­lica)
Source: Tech­no­seum (“2 Wheels – 200 Years”, exhi­bi­tion at the TECHNOSEUM in Mann­heim)

200 Jahre Fahr­rad Haupt­mo­tiv

Seit 200 Jah­ren begeis­tert das Fahr­rad die ganze Welt. Die Geschichte die­ser revo­lu­tio­nären Erfin­dung aus Deutsch­land begann am 12. Juni 1817 in der Stadt Mann­heim im Bun­des­land Baden-Würt­tem­berg.

Bild­quelle: Minis­te­rium für Ver­kehr Baden-Würt­tem­berg / Ben van Sky­hawk

The bicy­cle has been deligh­ting the whole world for 200 years. The his­tory of this revo­lu­tio­nary inven­tion from Ger­many began on 12 June 1817 in the city of Mann­heim in the state of Baden-Würt­tem­berg.
Source: Minis­try of Trans­port Baden-Würt­tem­berg / Ben van Sky­hawk

Verkehrs­mi­nis­ter Win­fried Herr­mann auf einer moder­nen Drai­sine 

Baden-Würt­tem­bergs Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (rechts) auf einer moder­nen Drai­sine neben einem his­to­ri­schen Drai­si­nen-Nach­bau.

Bild­quelle: Minis­te­rium für Ver­kehr Baden-Würt­tem­berg 

Baden-Würt­tem­berg's Trans­port Minis­ter Win­fried Her­mann (right) atop a modern drai­sine next to the his­to­ri­cal drai­sine rep­lica.
Source: Minis­try of Trans­port Baden-Würt­tem­berg