Radverkehrs­politik in Deutschland

· Themengebiete: In der Politik

Die deut­sche Fahr­rad­po­li­tik ist in den letz­ten 20 Jah­ren deut­lich in Bewe­gung gekom­men. Es begann mit dem ers­ten Natio­na­len Rad­ver­kehrs­plan 2002, dem 2012 der zweite Natio­nale Rad­ver­kehrs­plan 2020 folgte (NRVP). Er bil­det die Grund­lage für die Rad­ver­kehrs­po­li­tik auf Bun­des­ebene. Der NRVP benennt die Rah­men­be­din­gun­gen und die grund­sätz­li­chen Leit­li­nien der Rad­ver­kehrs­för­de­rung. 3,2 Mil­lio­nen Euro ste­hen für soge­nannte „nicht inves­tive Maß­nah­men“ zur Ver­fü­gung.  

Rad­ver­kehrs­för­de­rung in Baden-Württemberg

Auch das Land Baden-Würt­tem­berg und die betei­lig­ten Kom­mu­nen haben die ver­kehrs­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen in den letz­ten Jah­ren spür­bar zuguns­ten des Rad­ver­kehrs ver­än­dert. Die Lan­des­re­gie­rung hat das Ziel, Baden-Würt­tem­berg zu einem Weg­be­rei­ter für eine nach­hal­tige Mobi­li­tät und das Land dabei fahr­rad­freund­li­cher zu gestal­ten.  

Dafür hat die Lan­des­re­gie­rung im Januar 2016 die RadSTRATEGIE verabschiedet, die alle Hand­lungs­fel­der und Maß­nah­men für die kom­men­den zehn Jahre zusam­men­fasst. Wich­tige Vor­ha­ben dabei sind die Pla­nung für ein koor­di­nier­tes RadNETZ , das aus dem lücken­haf­ten Fahr­rad­netz im Land ein durch­gän­gig befahr­ba­res, siche­res Wege­netz machen soll, und die Ini­tia­tive RadKULTUR, die mit vie­len krea­ti­ven Aktio­nen im gan­zen Land Freude am Rad­fah­ren ver­mit­telt und so zur häu­fi­ge­ren Nut­zung des Fahr­rads im All­tag moti­viert.  

RadSTRATEGIE

Mit der RadSTRATEGIE sol­len die Chan­cen erfolg­rei­cher Rad­ver­kehrs­för­de­rung kon­se­quent und sys­te­ma­tisch genutzt wer­den: weni­ger Lärm und Fein­staub, mehr Lebens­qua­li­tät in den Städ­ten und Gemein­den, mehr Gesund­heit durch aktive Bewe­gung, bes­se­ren Kli­ma­schutz, hohe wirt­schaft­li­che Poten­tiale durch eine hoch­in­no­va­tive Wachs­tums­bran­che und letzt­end­lich mehr Mobi­li­tät für alle. Das Doku­ment benennt auf 156 Sei­ten Hin­ter­gründe, Hand­lungs­fel­der, Maß­nah­men, Ziele, Fris­ten und Akteure der Rad­ver­kehrs­för­de­rung in Baden-Württemberg. Damit zeigt die RadSTRATEGIE den Weg zu einer neuen Rad­kul­tur in Baden-Würt­tem­berg auf. 

RadNETZ

Mit dem RadNETZ Baden-Würt­tem­berg hat das Land gemein­sam mit den Stadt- und Land­krei­sen sowie den Städ­ten und Gemein­den ein flä­chen­de­cken­des, durch­gän­gi­ges Netz all­tags­taug­li­cher Fahr­r­ad­ver­bin­dun­gen zwi­schen Mit­tel- und Ober­zen­tren ent­lang der wich­tigs­ten Sied­lungs­ach­sen im Land geschaf­fen. Das RadNETZ hat eine Länge von ca. 7.000 Kilo­me­tern, ca. 700 Kom­mu­nen sind an das Netz ange­schlos­sen. In die­ses Netz sind auch die Landesradfernwege inte­griert. Die Umset­zung des RadNETZ ist nun eine Gemein­schafts­auf­gabe von Bund, Land und Kom­mu­nen. Die schon heute beste­hen­den und ver­kehrs­si­che­ren Abschnitte des RadNETZ wer­den nach und nach ein­heit­lich beschil­dert. Ergänzt wird das RadNETZ Baden-Würt­tem­berg durch die Rad­ver­kehrs­netze der Land­kreise sowie die der Städte und Gemein­den. Hier fin­den Sie wei­tere Infor­ma­tio­nen zum RadNETZ Baden-Württemberg.  

RadKULTUR

Die vom Minis­te­rium für Ver­kehr Baden-Würt­tem­berg im Jahr 2012 gest­ar­tete Ini­tia­tive „RadKULTUR“ setzt sich für eine fahr­rad­freund­li­che Mobi­li­täts­kul­tur in Baden-Würt­tem­berg ein. Gemein­sam mit den vom Land geför­der­ten RadKULTUR-Kom­mu­nen bie­tet sie ein viel­fäl­ti­ges Pro­gramm auf Lan­des­ebene und in den Kom­mu­nen. So macht sie die Begeis­te­rung des Rad­fah­rens vor Ort erleb­bar, för­dert den Spaß am Fah­ren und moti­viert die Men­schen, in ihrem All­tag ganz selbst­ver­ständ­lich aufs Rad zu stei­gen. Dadurch soll das Mobi­li­täts­ver­hal­ten im Land dau­er­haft ver­än­dert und der Anteil des Rad­ver­kehrs am Gesamt­ver­kehr gestei­gert wer­den. 2017 wird auch die Ini­tia­tive ihre Aktio­nen und Ver­an­stal­tun­gen auf das Fahr­rad-Jubi­läum aus­rich­ten.  

AGFK BW

Mit der Unter­stüt­zung des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums sowie der Nah­ver­kehrs­­­ge­sell­schaft Baden-Würt­tem­berg mbH (NVBW) wurde das lan­des­weite Netz­werk der Arbeits­ge­mein­schaft Fahr­rad­freund­li­cher Kom­mu­nen Baden-Würt­tem­berg e.V. (AGFK BW) aufgebaut. In die­sem Netz­werk fin­det der fach­li­che Aus­tausch zwi­schen den Mit­glied­kom­mu­nen über inno­va­tive Rad­ver­kehrs­ele­mente und erfolg­rei­che För­der­stra­te­gien statt. Des Wei­te­ren erfolgt die Koor­di­na­tion von lan­des­weit bedeut­sa­men Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­tio­nen.   

Ver­bes­se­rung und Aus­bau der Rad­ver­kehrs­in­fra­struk­tur

Gute Fahr­rad­wege, sichere Ver­bin­dun­gen, eine durch­dachte Inte­gra­tion in den Stadt­ver­kehr und naht­lose Über­gänge zu ande­ren Ver­kehrs­mit­teln: Eine gute Rad­ver­kehrs­in­fra­struk­tur ist die Grund­vor­aus­set­zung dafür, dass Fahr­rad­fah­ren Spaß macht und das Rad öfter genutzt wird. Außer­dem trägt eine ange­mes­sene Infra­struk­tur zur Sicher­heit der Rad­fah­ren­den bei – wie eine Stu­die der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft zum Thema Rad­ver­kehrs­in­fra­struk­tur und Sicher­heit zeigt, besteht hier drin­gend Hand­lungs­be­darf.

Viele Kom­mu­nen in Baden-Würt­tem­berg sind hier schon aktiv und bewei­sen, dass kom­mu­na­les Enga­ge­ment zu einem deut­li­chen Anstieg der Rad­nut­zung führt. Das Land Baden-Würt­tem­berg hat Fördermöglichkeiten geschaf­fen, um die­ses Enga­ge­ment zu unter­stüt­zen. Zudem inves­tiert das Land in hohem Maße in den Aus­bau von Rad­we­gen an Lan­des­s­tra­ßen sowie im Auf­trag des Bun­des auch an Bun­des­s­tra­ßen.  

Radschnellverbindungen

Mit der rasan­ten Ver­brei­tung von E-Bikes und Pede­lecs wer­den zuneh­mend auch grö­ßere Distan­zen mit dem Rad zurück­ge­legt. Daher bekom­men Rad­schnell­ver­bin­dun­gen, die bis­lang vor allem in den Nie­der­lan­den und in Däne­mark schon umge­setzt wur­den, eine zuneh­mende Bedeu­tung. Rad­schnell­ver­bin­dun­gen zeich­nen sich durch hohe Stan­dards an Breite und bevor­rech­tigte Füh­rung aus und sor­gen für ein durch­gän­gig siche­res sowie attrak­ti­ves und schnel­le­res Befah­ren von grö­ße­ren Distan­zen – meist inner­halb von Bal­lungs­räu­men. Dort besteht ein großes Poten­zial, durch Rad­schnell­ver­bin­dun­gen Haupt­ver­kehrs­ach­sen auf Straße und Schiene zu ent­las­ten und so einen wich­ti­gen Bei­trag zur Luf­trein­hal­tung sowie zur Stau­ver­mei­dung zu leis­ten. Das Land Baden-Würt­tem­berg unter­stützt die Kon­zep­tion und Umset­zung von Rad­schnell­ver­bin­dun­gen. In der RadSTRATEGIE ist das Ziel ent­hal­ten, dass bis 2025 zehn Rad­schnell­ver­bin­dun­gen in Baden-Würt­tem­berg rea­li­siert wer­den.

  

Quellenangaben: 

  1. Bun­des­mi­nis­te­rium für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung (Hrsg.) (2012): Natio­na­ler Rad­ver­kehrs­plan 2020 - Den Rad­ver­kehr gemein­sam wei­ter­ent­wi­ckeln. Ber­lin 
  2. Minis­te­rium für Ver­kehr und Infra­struk­tur Baden-Würt­tem­berg (Hrsg.) (2016): RadSTRATEGIE Baden-Würt­tem­berg – Wege zu einer neuen RadKULTUR für Baden-Württemberg. Stutt­gart