Bedeutung des Radverkehrs in Deutschland

· Themengebiete: In aller Welt

Seit der Erfin­dung des Zwei­rads im Jahre 1817 hat das Fahr­rad als Fort­be­we­gungs­mit­tel eine rasante Ent­wick­lung hin­ter sich gebracht. Rund 73 Mil­lio­nen Fahr­rä­der sind in Deutsch­land schon unter­wegs. Das Rad bedient den zuneh­men­den Gesund­heits- und Sport­trend, stellt durch neue ele­gante Desi­gnlö­sun­gen ein Sta­tus­sym­bol dar und gilt als Ant­wort auf aktu­elle gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen wie Kli­ma­wan­del, demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung, Staus, Gesund­heits­schä­den durch Bewe­gungs­man­gel, Flä­che­ni­n­an­spruch­nahme, Luft­ver­schmut­zung und Lärm.

Der­zeit beträgt der Anteil des Rad­ver­kehrs an den ins­ge­samt zurück­ge­leg­ten Wegen bun­des­weit etwa zehn Pro­zent. Der Natio­nale Rad­ver­kehrs­plan 2020 (NRVP) zeigt, dass ein Anteil des Rad­ver­kehrs von 15 Pro­zent an den ins­ge­samt zurück­ge­leg­ten Wegen in Deutsch­land mög­lich ist.  

Die RadSTRATEGIE des Lan­des Baden-Würt­tem­berg geht für Baden-Würt­tem­berg etwas wei­ter und bezieht sich dabei auf die Nach­hal­tig­keitss­tra­te­gie des Lan­des. Gemes­sen an der Zahl der Wege wird eine Ver­dop­pe­lung des Rad­ver­kehrs­an­teils von acht Pro­zent im Jahr 2008 auf 16 Pro­zent bis 2020 und eine wei­tere Stei­ge­rung auf 20 Pro­zent bis 2030 ange­strebt. 

In Deutsch­land erstellt der All­ge­meine Deut­sche Fahr­rad-Club (ADFC) alle zwei Jahre ein Ran­king zum Thema Fahr­rad­freund­lich­keit, gestützt auf der Selb­st­ein­schät­zung von Rad­fah­rerIn­nen sowie dif­fe­ren­ziert nach Orts­grö­ßen­klas­sen. Mehr als 100.000 Men­schen haben 2014 am Fahr­rad­kli­ma­test teil­ge­nom­men und die Situa­tion für Rad­fah­rerIn­nen in 468 Städ­ten bewer­tet. Die gute Nach­richt für Baden-Württemberg: Mit Karls­ruhe und Frei­burg sind zwei große Städte des Lan­des – hin­ter der unan­ge­foch­te­nen deut­schen Fahr­rad­haupt­stadt Müns­ter – auf Platz zwei und drei des Ran­kings. Auch andere Städte in Baden-Würt­tem­berg haben sich bei der Bewer­tung in 2014 deut­lich ver­bes­sert. Dazu gehö­ren bei­spiels­weise Kirch­heim-Teck, Bie­tig­heim-Bissingen, Heil­bronn, Ulm oder die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart. 

Lan­des­aus­zeich­nung „Fahr­rad­freund­li­che Kom­mune“

In Baden-Würt­tem­berg kön­nen sich Gemein­den, Städte und Land­kreise, die den Rad­ver­kehr kon­se­quent för­dern, um die Lan­des­aus­zeich­nung „Fahr­rad­freund­li­che Kom­mune” bewer­ben - wenn sie die not­wen­di­gen Voraus­set­zun­gen erfül­len. Fahr­rad­freund­lich­keit in Baden-Würt­tem­berg soll dabei mehr sein als ein Lip­pen­be­kennt­nis. Voraus­set­zung für die Aus­zeich­nung des Lan­des ist unter ande­rem die Mit­glied­schaft in der Arbeits­ge­mein­schaft Fahr­rad­freund­li­cher Kom­mu­nen in Baden-Würt­tem­berg e. V. (AGFK-BW). Die „Fahr­rad­freund­li­chen Kom­mu­nen“ haben hohe und wei­ter stei­gende Rad­ver­kehrs­an­teile am Gesamt­ver­kehr. In den aus­ge­zeich­ne­ten Städ­ten, Gemein­den und Land­krei­sen wer­den beson­ders viele und inno­va­tive Maß­nah­men zur Fahr­rad­för­de­rung umge­setzt und sie sind daher Vor­bil­der für andere Kom­mu­nen. Als „Fahr­rad­freund­li­che Stadt” sind bis­her aus­ge­zeich­net: Frei­burg, Hei­del­berg, Karls­ruhe, Kirch­heim u. T., Offen­burg, Tübin­gen und Lör­rach. „Fahr­rad­freund­li­cher Land­kreis" ist der Land­kreis Göp­pin­gen.

Stadt Karls­ruhe:

Karls­ruhe hat es geschafft, mit vie­len effek­ti­ven Maß­nah­men den Rad­ver­kehr mas­siv zu för­dern. So wurde eine beacht­li­che Stei­ge­rung des Rad­ver­kehrs zwi­schen 2002 und 2012 von 16 auf 25 Pro­zent erzielt. Das gemä­ßigte Klima, die kom­pakte Kern­stadt und die vie­len Grünach­sen bie­ten ideale Voraus­set­zun­gen zum Fahr­rad­fah­ren. Karls­ruhe will die fahr­rad­freund­lichste Groß­stadt in Süd­deutsch­land wer­den und ist sich bewusst, dass noch beacht­li­che Stei­ge­rungs­po­ten­ziale beste­hen. Zur Errei­chung ihres Ziels hat Karls­ruhe vor ein paar Jah­ren ein 20-Punkte-Pro­gramm ver­ab­schie­det. Mehr Infos 

Stadt Frei­burg im Breis­gau:

Frei­burg ist schon lange eine Rad­ler­stadt, aller­dings gleich­zei­tig auch eine Stadt mit hohem Fuß­ver­kehrs­an­teil und star­ker Nut­zung des ÖPNV. 1.290 Kilo­me­ter Stra­ßen-, Rad- und Fuß­we­ge­netz, davon mehr als 400 Kilo­me­ter Rad­ver­kehrs­netz und über 35.000 Rad­fah­rende täg­lich haben das Fahr­rad zum zweit­be­lieb­tes­ten Fort­be­we­gungs­mit­tel wer­den las­sen: 34 Pro­zent aller zurück­ge­leg­ten Ver­kehrs­wege wer­den in Frei­burg mit dem Fahr­rad zurück­ge­legt. Des­halb wird Ver­kehrs­si­cher­heit hier groß geschrie­ben: Kri­ti­sche Stel­len wer­den ent­schärft und mit­hilfe von Pik­to­gram­men und Schil­dern ein­ge­dämmt. Mehr Infos 

Stadt Tübin­gen:

Tübin­gen ist das klas­si­sche Bei­spiel für eine fahr­rad­freund­li­che Hoch­schul­stadt. Fahr­rä­der gehö­ren dort schon lange zum Stadt­bild. 25 Pro­zent aller inner­städ­ti­schen Wege legen die Tübin­ger auf dem Zwei­rad zurück. 2014 wurde Tübin­gen vom Ver­kehrs­mi­nis­te­rium Baden-Würt­tem­berg offi­zi­ell mit dem Prä­di­kat „Fahr­rad­freund­li­che Kom­mune“ aus­ge­zeich­net. Aktu­ell ist der Bau von über 6.000 Meter Rad­weg geplant sowie die Verein­heit­li­chung sämt­li­cher Weg­wei­ser auf den beste­hen­den Rad­we­gen. Mehr Infos 

Stadt Offen­burg:

In Offen­burg wird seit den 1980er-Jah­ren enga­gierte Fahr­rad­för­de­rung mit zahl­rei­chen inno­va­ti­ven Bau­stei­nen wie fahr­bahn­sei­ti­gen Ange­bots­strei­fen, vie­len geöff­ne­ten Ein­bahn­stra­ßen, par­ti­el­ler Befahr­bar­keit von Tei­len der großen Fuß­gän­ger­zone und vor allem einer moder­nen Rad­sta­tion mit High-Tech-Fahr­rad­park­haus betrie­ben. Und das Rad­netz wird wei­ter aus­ge­baut – der­zeit lau­fen 22 Maß­nah­men, die die Rad­för­de­rung ziel­füh­rend über meh­rere Jahre aus­rich­ten sol­len. Mehr Infos 

Stadt Hei­del­berg:

Hei­del­berg ist eben­falls ein gutes Bei­spiel für eine fahr­rad­freund­li­che Hoch­schul­stadt. Die his­to­ri­sche und kom­pakte Kern­stadt, die von Anfang an fahr­rad­freund­lich erschlos­se­nen Neu­bau­ge­biete im Wes­ten und Süden der Stadt sowie das frühe, ehr­gei­zige Tempo 30-Kon­zept der Stadt haben den Rad­ver­kehr auf hohem Niveau sta­bi­li­siert. Geplante Fuß­gän­ger- und Rad­fahr­er­brücken schaf­fen kurze Wege und damit Zeit­vor­teile, was wie­derum ein attrak­ti­ver Vor­teil für alle Rad­fah­rer dar­stellt. Mehr Infos 

Stadt Kirch­heim unter Teck:

Kirch­heim unter Teck ver­folgt als Grün­dungs­mit­glied der AGFK-BW das Ziel, das Rad­fah­ren in Kirch­heim noch attrak­ti­ver und siche­rer zu machen und damit die umwelt­ver­träg­li­che Mobi­li­tät zu för­dern. Die Stadt hat in den letz­ten Jah­ren zum Bei­spiel eine Reihe von Rad­fahr­strei­fen und Schutz­strei­fen rea­li­siert sowie Fahr­ra­dab­stel­lan­la­gen kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut. Mehr Infos 

Stadt Lör­rach:

Der Land­kreis Lör­rach arbei­tet seit 2012 an einem Rad­ver­kehrs­kon­zept. Dabei wurde ein Rad­we­ge­netz aus Pend­ler- und Basis­rou­ten sowie einem Ver­dich­tungs­netz defi­niert, das in den nächs­ten zehn bis 15 Jah­ren umge­setzt wer­den soll. Neben den bau­li­chen Maß­nah­men wer­den auch die Beschil­de­rung und die rad­tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur ver­bes­sert. Mehr Infos 

Land­kreis Göp­pin­gen:

Die Fahr­rad­freund­lich­keit des Land­krei­ses Göp­pin­gen spie­gelt sich vor allem in den viel­fäl­ti­gen Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung des Rad­ver­kehrs­net­zes sowie für das Bike-Ride-Ange­bot wider. Dar­über hin­aus setzt der Land­kreis Göp­pin­gen ver­schie­dene Pro­jekte im Bereich Rad­tou­ris­mus und Siche­res Fah­ren im All­tag um. Die­ser breite Ansatz, der Rad­ver­kehr als Sys­tem ver­steht und för­dert und zwi­schen Bedürf­nis­sen für den All­tags- sowie den tou­ris­ti­schen Ver­kehr unter­schei­det, hat Vor­bild­cha­rak­ter. Mehr Infos

Fahrradfreunliche Kommune
Foto: © Land Baden-Württemberg

Quellenangaben: 

Minis­te­rium für Ver­kehr und Infra­struk­tur Baden-Würt­tem­berg (Hrsg.) (2016): RadSTRATEGIE Baden-Würt­tem­berg – Wege zu einer neuen RadKULTUR für Baden-Württemberg. Stutt­gart 

Nuhn, Hel­mut / Hesse, Mar­kus (2006): Verkehrsgeographie. Pader­born